Frankfurter Neue Presse: Flughafen-Streik "Der Streikerfolg entscheidet" Ein Kommentar von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt am Main (ots) - Die Wahrheit bleibt in zahlreichen Tarifkonflikten als erstes auf der Strecke. Das trifft besonders auf Tarifstreitigkeiten zu, in denen eine junge kleine, aber schlagkräftige Gewerkschaft erstmals auf einen großen Konzern trifft: In ihrem Bestreben, sich flächendeckend zu etablieren, sieht sich die noch junge Gewerkschaft gezwungen, möglichst viel für ihre neuen Mitglieder herauszuholen und sich dabei besonders unnachgiebig zu zeigen. Das Unternehmen wiederum, dass es bislang gewohnt war, mit einer mehr oder minder gesättigten Massengewerkschaft mit gemäßigten Forderungen zu verhandeln, tut sich aus Prinzip schwer mit der Spartengewerkschaft, die nur einen kleinen Teil der Belegschaft vertritt, aber das ganze Unternehmen lahm legen kann.

Spätestens wenn die kleine Gewerkschaft sich daran macht, ihre Streikmacht unter Beweis zu stellen, kommt es deshalb zu Streitigkeiten darüber, ob das Verhalten der "jungen Wilden" verhältnis - und rechtmäßig ist, landen die Tarifkonflikte notfalls vor Gericht, um die "jungen Wilden" zu domestizieren. Dabei schaukeln sich die Emotionen gegenseitig hoch, nehmen es beide Seiten in der Öffentlichkeit mit der Wahrheit oft nicht so genau.

Das war beim Konflikt zwischen der Bahn und der GDL so. Und das ist auch im jetzigen Konflikt zwischen der Fraport AG und der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) der Fall. Seit Wochen machen Fraport und GdF widersprüchliche Angaben zu Tarifforderungen und früheren Verhandlungsfortschritten, bezichtigen sich beide Seiten, hinter dem schon Erreichten zurückzufallen und die Wahrheit zu beugen. Die Fronten verhärten sich, statt miteinander zu sprechen, reden alle nur noch schlecht übereinander. Ausbaden müssen es offenbar wieder die Kunden.

Eine besonders unglückliche Figur macht dabei das Fraport-Management. Natürlich ist seine Grundsatz-Position nachvollziehbar: Im November 2009 nahm die gesamte Konzernbelegschaft schmerzhafte Einschnitte hin, damit die rund 5500 Beschäftigten der damals defizitären Bodenverkehrsdienste ihren Job behalten. Kräftige Gehaltssteigerungen bei den drei kleinen, von der GdF vertretenen Berufsgruppen würden da den Betriebsfrieden empfindlich stören und könnten kräftige Gehaltsforderungen anderer Sparten nach sich ziehen. Das will das Management verhindern. Aber nach nur zwei Verhandlungsrunden die Schlichtung anzurufen, den Spruch des Schlichters dann aber nicht anzuerkennen, zeugt nicht von erfolgreicher Taktik. Und dass die Fraport-Führung bereits die rechtlichen Grundlagen für die Ausgliederung der drei Sparten gelegt hat, macht sie nicht glaubwürdiger. Letztlich erfolglos dürfte auch der Versuch bleiben, GdF-Streiks gerichtlich verbieten zu lassen. Das haben schon die Deutsche Flugsicherung und der Flughafen Stuttgart vergeblich versucht.

Der Gdf ist wiederum vorzuwerfen, dass sie sich nun im Zuge des bevorstehenden Streiks vom Schlichterspruch distanziert und ihre Forderungen noch hochschraubt. Warum eine Arbeitsniederlegung nur für die Anpassung der Gehälter innerhalb von zwei statt - wie bislang gefordert - vier Jahren sinnvoll ist, leuchtet jedenfalls nicht ein. Eine Einigung rückt damit in noch weitere Ferne.

So sieht es ganz danach aus, als ob am Ende nur der Erfolg der Streiks über den Tarifkonflikt entscheiden würde. Gelingt es der GdF tatsächlich, den Großteil des Flugbetriebs zum Erliegen zu bringen, hat Fraport schlechte Karten.

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